Die Frage, ob man „Sie“, „Ihnen“, „Du“, „Dir“ oder „Ihr“ groß- oder kleinschreibt, sorgt in E-Mails, Briefen, WhatsApp-Nachrichten und sogar in offiziellen Schreiben immer wieder für Verunsicherung. Viele wechseln intuitiv zwischen den Varianten oder halten sich an alte Schulschriften. Seit der Rechtschreibreform von 1996 (endgültig 2006) gibt es klare, einheitliche Regeln – mit einem kleinen, aber wichtigen Spielraum bei der persönlichen Anrede. Dieser Artikel erklärt die aktuellen Duden-Regeln Schritt für Schritt und bietet viele Alltagsbeispiele und konkrete Tipps für Geschäftskorrespondenz, private Nachrichten und Social Media.
Die Höflichkeitsform: „Sie“, „Ihnen“ und „Ihr“ immer groß
Die förmliche Anrede mit „Sie“ ist eindeutig und ohne Ausnahme geregelt: Alle Formen der Höflichkeitsanrede schreibt man immer groß. Das gilt für:
- Sie (Nominativ)
- Ihnen (Dativ)
- Ihr (Possessivpronomen, z. B. „Ihr Schreiben“, „Ihr Angebot“)
Diese Großschreibung ist obligatorisch – in Briefen, E-Mails, Werbetexten, Formularen, Fragebögen und wörtlicher Rede. Sie dient der klaren Unterscheidung zur dritten Person Plural („sie“ = mehrere andere Personen).
Beispiele (immer korrekt):
- Sehr geehrte Frau Müller, Sie haben vollkommen recht.
- Wir senden Ihnen die Unterlagen per E-Mail zu.
- Vielen Dank für Ihr Verständnis und Ihre Geduld.
Kleinschreibung wäre hier in allen Fällen falsch.
Die vertraute Anrede: „du“, „dir“, „dich“ meist klein – mit Ausnahme
Bei der informellen Anrede („du“, „dir“, „dich“, „dein“, „ihr“, „euch“, „euer“) gilt seit der Reform die Kleinschreibung als Standardregel. Das ist immer korrekt und die sicherste Wahl.
Beispiele (immer richtig):
- Liebe Anna, wie geht es dir heute?
- Ich wünsche dir ganz viel Erfolg!
- Habt ihr schon Pläne fürs Wochenende?
Beispiele (optional groß – beide Varianten erlaubt):
- Liebe Anna, wie geht es Dir?
- Ich wünsche Dir von Herzen alles Gute!
- Habt Ihr schon Pläne fürs Wochenende?
Anrede groß oder klein: Praktische Beispiele aus verschiedenen Bereichen
- Geschäfts-E-Mail (formell): Sehr geehrte Damen und Herren, wir freuen uns, Ihnen unser Angebot zu unterbreiten. Bitte teilen Sie uns mit, ob Ihnen der Termin am 15. März passt.
- Private E-Mail oder WhatsApp (vertraulich): Hallo Tom, danke für die Einladung! Ich komme sehr gerne. Hast du/dir schon etwas vorbereitet? (Oder: Hast Du/Dir schon etwas vorbereitet? – beides korrekt)
- Werbung oder Flyer: Hier gilt fast immer Kleinschreibung: „Hol dir den Sommer ins Glas!“ (Großschreibung würde hier unpassend und aufdringlich wirken.)
- Betreffzeile: Im Betreff bleibt alles klein (außer Satzanfang): „Ihre Anfrage vom 03.02.“
Häufige Fehler bei der Schreibung der Anrede und wie Sie sie vermeiden
- Verwechslung von „sie“ (3. Person) und „Sie“ (Anrede) → Immer auf den Kontext achten.
- In offiziellen Schreiben „du“ großschreiben → Besser klein lassen oder bei Duz-Beziehung konsequent groß halten.
- In Romanen oder Berichten „Du“ groß → Falsch, hier immer klein.
- Mischung innerhalb einer Nachricht (mal „du“, mal „Du“) → Wählen Sie eine Variante und bleiben Sie dabei – das wirkt professionell und harmonisch.
Tipp: Wenn Sie unsicher sind, wählen Sie bei der vertraulichen Anrede die Kleinschreibung – sie ist immer regelkonform. Bei sehr persönlichen oder traditionellen Texten (Einladungen, Dankesbriefe, Geburtstagskarten) wirkt die Großschreibung oft wertschätzender und wärmer. Entscheiden Sie einfach, welchen Ton Sie setzen wollen, und bleiben Sie konsequent.