Klaus J. Schwehn



Daß ich Journalist geworden bin, verdanke ich dem Umstand, daß mir meine Eltern kein Studium finanzieren konnten. (Ich sollte/wollte Lehrer werden). Also folgte ich dem Rat eines Freundes und verdingte mich als freier Mitarbeiter bei der örtlichen Tageszeitung. Und das ging über fünf Jahre hinweg so: Montags bis freitags Studium in Marburg (Politik, Soziologie, Neue deutsche Literatur), samstags und sonntags und zu 80 Prozent in den Semesterferien freier Mitarbeiter bei der Zeitung in Wetzlar. 12 Pfennig die Zeile, 6 Mark das Foto. Dann folgten ein verkürztes Volontariat und die Anstellung als Redakteur.

Nach sechs Jahren wechselte ich nach Stuttgart, arbeitete für die Nachrichtenagenturen ap und ddp und fand mich dort für fast drei Jahre im Hochsicherheitsgefängnis Stuttgart-Stammheim mitsamt Andreas Baader, Ulrike Meinhof, Gudrun Ensslin und Jan-Carl Raspe; mit Otto Schily und den anderen scharfzüngigen Strafverteidigern.

Schließlich Wechsel nach Bonn als Parlamentskorrespondent mit den Stationen Badische Zeitung, Die Welt und Berliner Tagesspiegel. Das waren 24 recht fruchtbare Jahre am Rhein. Als aber Parlament und Regierung 1999 nach Berlin wechselten, machte ich den Schnitt und zog mich mit meiner Frau (ebenfalls Journalistin) nach Italien zurück. Hier leben wir in einem alten Bauernhaus zwischen Luganer See und Lepontiner Voralpen; ich schreibe weiter, produziere im Eigenverlag Büchlein bei LULU - und weil sich insgesamt Bücher im Übermaß angesammelt haben, habe ich im Internet ein kleines modernes Antiquariat (vorzugsweise mit italienischen Büchern) eröffnet. Ich bin also im Unruhestand

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