Telefonzelle aus Oxford wurde zur Bücherzelle in Bonn

Englische Telefonzelle als Bücherschrank  - Stadt Bonn
Englische Telefonzelle als Bücherschrank - Stadt Bonn
Die bereits 1947 begründete Städtepartnerschaft zwischen Oxford und Bonn hat ein neues Symbol. Eine alte englische Telefonzelle dient nun als Bücherzelle.

Wohin mit einer Telefonzelle, in der nicht mehr telefoniert wird? Vor dieser Frage stand die Stadt Bonn. Denn einfach abbauen und der Rohstoffverwertung übereignen, das ging in diesem Fall nicht, schließlich handelt es sich bei der dieser Telefonzelle nicht um irgendeine gelte von der früheren Post, der heutigen Telekom, sondern um ein offizielles und nach über zwanzig Jahren um ein fast schon historisches Geschenk.

Rote Telefonzelle - Geschenk aus Oxford

Ein Geschenk aus Oxford, jener englischen Universitätsstadt, die bereits 1947, also zwei Jahre nach Beendigung des Zweiten Weltkrieges eine Partnerschaft mit der beschaulichen Universitätsstadt am Rhein begründete.Nach dem Abklemmen des Fernsprechers fristete das Telefonhäuschen an der Bonner Adenauerallee jahrelang ein kümmerliches Dasein. Doch jetzt erlebt das englische Schmuckstück ein Revival. Am Mittwoch, 28. Juli 2010, wurde die Telefonzelle zur begehbaren "Bücherzelle" umfunktioniert. Natürlich nicht ohne die notwendigen protokollarischen Ehren. Bezirksbürgermeister Helmut Kollig hielt ein Grußwort zur Eröffnung und zahlreiche Besucher befüllten den Schrank mit Bücherspenden. Auf Initiative des Bonner Unternehmensberaters Philipp Görgen und des Politikwissenschaftlers Stefan Müchler wurde die altehrwürdige Telefonzelle mit Unterstützung des Bonner Oxford-Clubs sowie lokaler Handwerksbetriebe renoviert und in einen öffentlichen Bücherschrank verwandelt. Rund um die Uhr kann hier Lesestoff ausgetauscht werden.

Lebendige Städtepartnerschaft

1969 wurde die Städtepartnerschaft nach der kommunalen Raumordnung dem Stadtbezirk Bonn zugeordnet. Neben den offiziellen Begegnungen bleibt es das vorrangige Ziel der Städte Bonn und Oxford, immer mehr Bürger zur Eigeninitiative in Sachen Partnerschaft zu bewegen. Bis heute hat die Jugend, insbesondere durch Schüleraustauschprogramme, den größten Anteil am Geschehen der Städtepartnerschaft. Selbstverständlich sind aber an den zahlreichen gemeinsamen kulturellen, religiösen, sportlichen und anderen fachbezogenen Veranstaltungen mit teilweise jährlich bis zu 1.500 Teilnehmern alle Altersgruppen beteiligt. Besonders aktiv in Sachen Städtepartnerschaft ist der Oxford-Club.

Gelbe Bücherzellen auch in anderen Städten

Die von der Bonner Stadtverwaltung verbreitete Meldung, diese Art der begehbaren Bücherzelle sei „deutschlandweit einmalig“, ist allerdings nur haltbar, wenn damit zur „Bücherzelle“ konvertierte alte rote englische Telefonzellen in Deutschland gemeint sind. Denn mindestens zwei gelbe Bücherzellen gibt es bereits seit 2003 in Buxtehude und seit 2009 auch eine in Ingolstadt.In Buxtehude geht die Mini-Bibliothek auf den dortigen SPD-Kommunalpolitiker Hans-Uwe Hansen zurück, der, so war 2003 im Hamburger Abendblatt zu lesen, stolzer Besitzer von rund weit über 40.000 Büchern sei. Das Projekt des Bonner "Bücherschranks" an der Poppelsdorfer Allee wurde an der Bonner Universität sogar wissenschaftlich begleitet.

Mehr öffentliche Bücherschränke

Im Bonner Stadtgebiet gibt es seit Jahren an verschiedenen Stellen öffentliche Bücherschränke. Jede und jeder kann dort kostenlos Bücher entleihen und ist eingeladen selbst welche dort hinein zu stellen. Die Bonnerinnen und Bonner machen davon regen Gebrauch. Ehemalige Bonner haben diese Idee übrigens auch mitgenommen nach Berlin. So kommt es, dass man im 4. Stock des Jakob-Kaiser-Hauses, im Fraktionstrakt der SPD ein volles Bücherregal findet, angebracht in einem Flur und somit zumindest für Besitzer eines Bundestagshausausweises frei zugänglich.

Helmut Lorscheid ,  Foto: Yvonne Szallies

Helmut Lorscheid - Ich bin Journalist aus Überzeugung, obwohl es sicherlich Berufe gibt, in denen man deutlich mehr verdient. Ich befasse mich mit ...

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