Sein Name ist Connery, Sean Connery – James Bond wird 80

Sean Connery 1962 als James Bond in Dr. No - Tumblr.com
Sean Connery 1962 als James Bond in Dr. No - Tumblr.com
Am 25. August 2010 feierte der schottische Schauspieler und bekannteste James Bond seinen 80. Geburtstag. Ein Rückblick auf seine filmische Karriere.

"Mein Name ist Bond, James Bond." Dieser Satz gehört zu den bekanntesten Sätzen der Filmgeschichte und wird unmittelbar mit dem ersten Geheimagenten 007 verbunden – Sean Connery. Der schottische Schauspieler trat 1962 als Agent im Dienste Ihrer Majestät an, die Welt vor Bösewichten zu retten, und gilt bis heute als die ultimative Verkörperung und als Prototyp des kernigen, rauen Machos. Am 25. August 2010 feierte Connery seinen 80. Geburtstag.

Ein Problem beschäftigte die Filmproduzenten Albert Broccoli und Harry Saltzman 1961, als sie die Verfilmung der erfolgreichen britischen Thriller-Romane um den Geheimagenten James Bond von Autor Ian Fleming planten: Wer soll den Titelhelden spielen? Nachdem bekannte Hollywood-Schauspieler wie Cary Grant, David Niven und James Stewart verworfen wurden, schlug ihnen Regisseur Terence Young einen jungen, kernigen Schauspieler vor – den Schotten Sean Connery.

Sean Connery – ein schottisches Arbeiterkind als James Bond

Das Publikum und die Presse staunte nicht schlecht, dass ausgerechnet ein No Name den Agenten spielen sollte, der zuerst gar nicht gentleman-like erschien. Der maskuline Arbeitertyp mit lichtem Haar, starker Körperbehaarung, zwei Tätowierungen namens "Scotland Forever" und "Mum & Dad" auf den Unterarmen und mit einem unverständlichen, schottischen Akzent nuschelnd, sollte den britischen Edelagenten verkörpern?

Doch das Publikum war begeistert, als Connery zu Weihnachten 1962 als James Bond in "James Bond jagt Dr. No" auf der Leinwand erschien. Mit seinen 32 Jahren und ersten Filmerfahrungen wurde er über Nacht Nacht zum Superstar und neben Clint Eastwood, Steve McQueen, Charles Bronson, Burt Reynolds und Jean-Paul Belmondo zum Prototypen des Raubeins im Unterhaltungskino der 1960er und 1970er Jahre.

Sean Connerys harte Jugend in Edinburgh

Thomas Sean Connery wurde am 25. August 1930 in Fountainbridge bei Edinburgh als Sohn eines Fernfahrers und einer Putzfrau geboren. In ärmlichen Verhältnissen aufgewachsen, ging er nach ersten Jobs als Milchmann und Bademeister mit 16 Jahren zur Marine, wo er aber nach zwei Jahren wegen eines Geschwürs entlassen wurde.

Danach schlug er sich in Edinburgh als LKW-Fahrer, Pferdekutscher, Baggerfahrer, Drucker und Möbelpolierer durch und absolvierte eine Ausbildung zum Sargtischler. Die harten Jobs brachten ihn dazu, Bodybuilding zu treiben, wodurch er erste Jobs als Werbe-, Zeichen- und Fotomodell bekam. 1950 wurde er schottischer Bodybuilding-Meister.

Seine muskulöse Karriere brachten Connery erste Statistenrollen in Film- und Fernsehproduktionen ein, inklusive seinem Leinwand-Debüt "Die blinde Spinne" (1957). Eine Nebenrolle in dem Kriegsdrama "Der längste Tag" (1962) überzeugte die Bond-Produzenten von Connerys Fähigkeiten für die Rolle des 007.

Nach "Dr. No" spielte Connery fast jedes Jahr in einem weiteren Bond-Abenteuer mit: "Liebesgrüße aus Moskau" (1963), "Goldfinger" (1964), "Thunderball" (1965) und "Man lebt nur zweimal" (1967). Während man im ersten Film Connerys Auftritt noch durch allerlei Science-Fiction-Handlung um feuerspeiende Monster auf Jamaika anreicherte, kam sein Talent in "Liebesgrüße aus Moskau" richtig zur Geltung.

Connery wird zum Prototypen des James Bond

Mit überschminkten Tätowierungen, Oberklasse-Sprechtraining, einem Teilhaar-Toupet und maßgeschneiderten Smokings aus der Londoner Saville Road überzeugte der Schotte zungen- und schlagfertig als studierter englischer Geheimagent die hübschesten Frauen und gemeinsten Bösewichte der Welt auf seinen Abenteuern zwischen London, Moskau, Istanbul, den USA, Japan und der Karibik. Dazu fährt er einen Aston Martin, liebt Spielkasinos und trinkt seinen Martini geschüttelt, nicht gerührt.

Binnen kurzer Zeit wurde Connery zum gefragten Schauspieler und trat zwischen seinen Bond-Rollen als Bösewicht in Alfred Hitchcocks Psychothriller "Marnie" (1964) und "Ein Haufen toller Hunde" (1965) auf. Spätestens nach den einjährigen Dreharbeiten zum fünften 007-Streich "Man lebt nur zweimal" 1966/67 in Japan und Europa hatte er die Nase voll von seinem Ruhm, aufgrund dessen ihm in Japan sogar Journalisten bis auf die Toilette folgten.

Nach seinem Ausstieg als James Bond versuchte sich Connery, von seiner ruhmreiche Rolle zu distanzieren. So sah man ihn 1968 im Flop-Western "Shalako" mit Halbglatze und Schnauzbart und danach in vielen Rollen, in denen er sein wahres Talent zeigen wollte.

Versuche als Charakterdarsteller nach James Bond

Die besten davon waren der US-Politthriller "Der Anderson-Clan" (1971) und das hervorragende englische Psychodrama "Sein Leben in meiner Gewalt" (1972). Dennoch floppten viele seiner Versuche, auf dem US-Markt Fuß zu fassen, wie im Katastrophenfilm "Meteor" (1977).

Dafür lagen ihm Großbritannien und Europa zu Füßen. Als sein 007-Nachfolger George Lazenby nach nur einem Bond-Film, "Im Geheimdienst Ihrer Majestät" (1969), das Handtuch warf, überzeugten ihn 1,43 Mio. US-Dollar, nochmals den 007 in "Diamantenfieber" (1971) zu spielen, wobei er sich nochmals rasieren und mit einem Toupet ausstatten lassen musste. 1983 kehrte er zum letzten Mal als Bond in "Sag niemals nie" auf die Leinwand zurück, der aber nicht zur offiziellen Bond-Reihe zählt.

In Europa überzeugte er als bärtiger, griesgrämiger Charakterdarsteller in Erfolgen wie "Mord im Orient-Express" (1974), "Der Wind und der Löwe" (1975), "Robin und Marian" (1976), "Die Brücke von Arnheim" (1977) und "Der große Eisenbahnraub" (1978).

Sean Connery – Filmerfolge in Hollywood ab 1980

In den USA gelang ihm erst jenseits der 50 Jahre der Durchbruch, und seine umfangreiche Filmografie zählt Erfolge wie "Outland - Planet der Verdammten" (1980), "Highlander" (1985), "Die Unbestechlichen" (1987), "Indiana Jones und der letzte Kreuzzug" (1989), "Jagd auf Roter Oktober" (1990), "Der erste Ritter" (1995) und "Die Liga der außergewöhnlichen Gentlemen" (2003).

Aber immer wieder war es der Typus des bärbeißigen Detektivs, Geheimagenten und Polizisten, der seine Rollen dominierte. Und viele Reminiszenzen an "seinen" Bond finden sich in vielen Filmen – ob als mittelalterlicher Detektiv in der europäischen Produktion "Der Name der Rose" (1986), als Japan-Kenner in "Die Wiege der Sonne" (1993) oder als inhaftierter britischer Geheimagent im Blockbuster "The Rock – Fels der Entscheidung" (1996).

Anbiederungen an artfremde Genres wie Blödelkomödien oder Liebesschmonzetten sucht man in seiner Filmografie vergebens, auch wenn er im Sozialdrama "Forrester – Gefunden!" (2000) erstaunlich sentimental überzeugte.

Sean Connery heute – politisch engagiert und privat zurückgezogen

2006 zog sich der schottische Patriot, der sich finanziell und aktiv für seine Heimatstiftung und die Scottish National Party engagiert, aus dem Filmbusiness zurück. Heute lebt er zurückgezogen mit seiner zweiten Frau, der Malerin Micheline Rochebrune, mit der er seit 1975 verheiratet ist, in Andalusien und auf den Bahamas. Sein einziger Sohn Jason (*1963) stammt aus seiner ersten Ehe mit der Australierin Diane Cilento (1962-1973).

Sean Connery wurde vielfach ausgezeichnet, u.a. als "Sexiest Man Alive" (1989) und "Sexiest Man Of The Century" (1999) vom People Magazine und 1987 mit einem Oscar für "Die Unbestechlichen". 2000 schlug ihn Königin Elisabeth II. für seine Verdienste um Schottland zum Ritter. Angebote für weitere Filme lehnt der publikumsscheue Schotte bis heute ab.

Viele Infos gibt es auf der offiziellen Website von Sir Sean Connery.

Uwe Wolfrum, Uwe Wolfrum

Uwe Wolfrum - Geboren 1967 in Oberfranken, aufgewachsen in Hessen, gestrandet in Hamburg. Studium der Germanistik, Medienwissenschaften, Anglistik und ...

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