Neuerscheinung "Nachkrisenzeit": Die Bedeutung der Eurozone

Buchtitel Nachkrisenzeit - Sagmeister,Gros
Buchtitel Nachkrisenzeit - Sagmeister,Gros
Eine Neuerscheinung aus Österreich enthält am Beispiel Islands nicht nur eine gute Analyse, sondern gibt auch Ratschläge für die Nachkrisenzeit.

Schlaue Analysen, warum es zur weltweiten Finanzkrise kam, gab und gibt es danach zur Genüge. Was aber den einzelnen Bürger viel mehr interessiert, ist die Antwort auf die Frage, wie es jetzt weiter gehen soll, was die Zukunft für die nächsten Generationen bringen wird und wie man sich als einzelner verhalten soll.

Für ihr Buch „Nachkrisenzeit“ haben sich die ORF-Wirtschaftsjournalistin Sonja Sagmeister und Daniel Gros, der Direktor des Centre for European Policy Studies, einer der sechs größten Denkfabriken der Welt, zusammen getan und ein auch für den Wirtschaftslaien gut lesbares und in Teilen unterhaltsames Werk geschrieben.

Wer ungeduldig gleich zum Wesentlichsten kommen will, der läßt die ersten 84 Seiten mit mehr Milieustudien und Reiseberichten in Island aus und fängt auf Seite 85 mit dem Kapitel an: „Der Island-Crash: Eine Chronologie als warnendes Beispiel für die Welt“.

Analysen und Szenarien

Endlich einmal werden nicht die USA als Beispiel und Verursacher für die Finanzkrise und das Platzen einer gewaltigen Immobilienblase genommen, sondern das europäische Island. An diesem überschaubaren Ort mit seinen 330.000 Einwohnern wird anschaulich dargestellt, wie allgemein auch noch den einfachsten Bürger die Gier packte, wie die Banken leichtsinnig wurden und entgegen jeglichem gesunden Menschenverstand mit einer starken isländischen Währung, der Krone, spekulierten bis zu dem Auswuchs, dass nicht nur deutsche Bürger dort ihr Geld anlegten und in Folge davon verloren, sondern auch Japaner. Bis es zum Verfall der Krone kam und die dem neuen Reichtum erlegenen Isländer von üppigen Yachten und dicken Allrad-Autos nahezu von einem Tag auf den anderen Abschied nehmen mussten.

Plädoyer für die Europäische Zentralbank

Daniel Gros, studierter Nationalökonom und Experte der europäischen Finanzwelt, war auch an der Entstehung des Euros und der Europäischen Zentralbank beteiligt. Kein Wunder, dass er dem Euro die Stange hält. Das aber untermauert er sehr plausibel und beweist, dass Island den Crash besser verdaut hätte, wenn es zur starken Eurozone gehört hätte. Deshalb sieht er auf Dauer keine Gefahr für die Euroländer, die über die unabhängige Europäische Zentralbank verfügen. Gefahren sieht er vielmehr für das satte Deutschland, dem er voraussagt, dass es in den kommenden 20 Jahren ins Mittelmaß absteigen wird und sich zum Beispiel vom Nachbarland Polen wird überholen lassen müssen. Auf Deutschland bezogen hält er die Unterstützung für Banken, die letztendlich die Steuerzahler treffen, für einen Bleigürtel, der das Land hinunterziehen wird. Er hätte dieses Geld lieber dem geprellten Anleger gegeben und die betreffenden Banken, die drohen, zum Faß ohne Boden zu werden, in den Konkurs geschickt.

China wird die kommende Welt- und Wirtschaftsmacht

Er prophezeit ebenfalls, dass die USA als Weltwirtschaftsmacht in ein, spätestens zwei Generationen von China abgelöst werden. Das erscheint plausibel, wenn man erst kürzlich hörte, dass China seinen Handelsbilanzüberschuss in amerikanische Staatsanleihen anlegte. Wenn es diese in Billionenhöhe schlagartig zu Geld machen wollte, dann würden die USA zu einem Vasall Chinas! Die Chinesen stellten es laut Gros noch schlauer an als die Japaner: Sie halten ihre Kosten niedrig, sparen diszipliniert, investieren in die Infrastruktur und in die Akademikerausbildung ihres Volkes.

Ratschläge für die Nachkrisenzeit

Letzteres, in eine gute akademische Ausbildung zu investieren, halten die Autoren für die Zukunft für das A und O, sie nennen es das „Investment in die Ich-Aktie“, die höchste Rendite bringt. Deutschland hinkt hier bekanntlich ziemlich hinterher im Vergleich etwa mit den gut dastehenden skandinavischen Ländern, die nämlich in guten Zeiten ihre Staatsschulden abbauten und nun weniger unter Druck seien.

Sprachen lernen folgt als weiterer Vorschlag. Was die Statistik längst zeigt: perfekte Englischkenntnisse sind nicht nur ein Muss, Spanisch sollte hinzu kommen und Grundkenntnisse in Mandarin-Chinesisch. Französisch verliert selbst in der Europäischen Union an Status und man sollte „damit nicht mehr seine Zeit verschwenden.“

Ansonsten werden in diesem Buch viele solide Tipps gegeben vom Eigenerwerb der Immobilie, die sich meist nicht rechnet von der Rendite her, die aber leichtsinnige Menschen dazu zwingen, nicht ihr Geld zu verschwenden, sondern im Alter dann mietfrei zu wohnen. Vom antizyklischen Verhalten beim Aktienkauf, nicht mit der Herde mitrennen bis zur Motivation, sich eine gute Geschäftsidee zu suchen, die den nächsten Boom auslösen könnte. Welche das sein könnte - darauf haben die Autoren auch keine Antwort, oder sie verraten sie nicht. Vielleicht aber sollte man sich an den Isländern ein Beispiel nehmen, die jetzt, wieder abgestiegen in ihr hartes Leben am Rande des Existenzminimums wie vor dem Boom, ein „House of Ideas“ eingerichtet haben, in dem sich weißes Papier befindet, auf das jeder seine Ideen schreibt und an die Wand heftet von Ideen für Drehbücher über Online-Netzwerke bis zum zuckerfreien Rhabarberriegel. Von den Isländern sollte man für die Zukunft lernen: Ehrlichkeit, neue Ideen, harte und längere Arbeit und Mut zur Veränderung.

Fazit: Ein empfehlenswertes und dabei gut lesbares Buch, das eigentlich auf jeden Schreibtisch gehört.

Daniel Gros, Sonja Sagmeister: Nachkrisenzeit. 234 Seiten. Ecowin Verlag, Salzburg, 2010. 21,50 Euro.

Dr. Gabriele Hefele, Reinhard Hefele

Dr. Gabriele Hefele - Dr. phil. Gabriele Hefele gewann bereits mit 13 Jahren einen Preis für eine lustige Olympiareportage. Sie schrieb mit 17 ein ...

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