"Exorzist"-Regisseur William Friedkin wird 75

Mit "Der Exorzist" und "The French Connection" wurde William Friedkin berühmt. Auch wenn seine folgenden Filme floppten: Friedkin bleibt eine Regielegende!

Angeblich stürmte der damals vierjährige William Friedkin bei seinem ersten Kinobesuch von der Dunkelheit und der Musik verstört aus dem Saal. Ob wahr oder gut erfunden: Das ist der Stoff, aus dem Legenden gewoben werden, wie etwa jene des William Friedkin, der mit "Der Exorzist" und "The French Connection" zwei der größten Publikums- und Kritikerhits der 1970er-Jahre schuf und später nie wieder an diese Erfolge anknüpfen konnte.

Am 29. August 2010 feierte der in Chicago geborene Friedkin seinen 75. Geburtstag. Ein kurzer Rückblick auf eine ungewöhnliche Filmkarriere.

Cher öffnete William Friedkin die Tür nach Hollywood

Anfangs arbeitete der wie so viele andere von „Citizen Cane“ beeinflusste Friedkin bei einem Fernsehsender. Dem Klischee entsprechend kämpfte er sich vom Botenjungen zum Regisseur von TV-Shows hoch. Seine Dokumentation „The People vs. Paul Crump“ über den seit Jahren in der Todeszelle auf Vollstreckung des Urteils wartenden Paul Crump sorgte nicht nur für Aufsehen, sondern brachte ihm zudem den „Golden Gate Prize“ des „San Francisco Film Festivals“ ein.

Den Durchbruch erzielte er jedoch 1967 mit dem Musikfilm „Good Times“ über das damals enorm populäre Pop-Duo „Sonny and Cher“. Obwohl der Film floppte, wurde Hollywood auf Friedkin aufmerksam. Es dauerte dennoch vier Jahre, bis er seinen ersten ganz großen Erfolg bejubeln durfte.

„The French Connection – Brennpunkt Brooklyn“: Oscar- und Geldregen

Roy Scheider, Gene Hackman und William Friedkin erwiesen sich als unwiderstehliche Mischung. Der Actionthriller „The French Connection – Brennpunkt Brooklyn“ rund um den Drogenkrieg brachte 1971 die Kinokassen zum Klingeln und bescherten dem Film insgesamt fünf „Oscars“, darunter die Trophäen für den „Besten Film“ und die „Beste Regie“.

„The French Connection – Brennpunkt Brooklyn“ gilt bis heute als Meilenstein des Actionthriller-Genres. Der damals ungewöhnliche, an eine Dokumentation erinnernde Stil oder der Einsatz von Handkameras stachen aus der Masse ähnlich gelagerter Stoffe eindeutig heraus. Bekannte Szenen wie die Autoverfolgungsjagd oder eine dramatische Hochbahnentführung sorgen selbst Jahrzehnte später noch für Spannung.

„Der Exorzist“ als Karrierekiller

1973 schließlich verfilmte Friedkin William Peter Blattys umstrittenen Horrorroman „Der Exorzist“. Weltweit erregte der Film wie kaum ein anderer Streifen zuvor oder danach die Gemüter – und Millionen strömten in die Kinos, um sich ein eigenes Urteil über den Film zu bilden. Viele betrachten den Horrorthriller als Höhepunkt der cineastischen Okkultismuswelle der 1970er-Jahre.

„Der Exorzist“ wurde bei den „Oscar“-Verleihungen 1974 für den „Besten Ton“ sowie das „Beste Drehbuch“ (William Peter Blatty) ausgezeichnet. Doch gerade der überwältigende Erfolg sollte sich letztendlich als Karrierekiller erweisen.

Von „Atemlos vor Angst“ bis „Jade“: Flops pflastern Friedkins Weg

Nie wieder sollte Friedkin an seine früheren Erfolge anschließen können. Obwohl manche seiner späteren Filme durchaus eigenständige Qualität bewiesen, enttäuschten sie im direkten Vergleich zu „Der Exorzist“ und „The French Connection – Brennpunkt Brooklyn“. Einige Kritiker schienen es sich sogar zur Aufgabe zu machen, jeden neuen William-Friedkin-Film möglichst drastisch in der Luft zu zerreißen.

Beim Remake von Henri-Georges Clouzots Klassiker „Lohn der Angst“ mit dem neuen Titel „Atemlos vor Angst“ erledigte Friedkin diese Aufgabe persönlich. Er ersetzte nach Streitigkeiten den ursprünglich für die Hauptrolle vorgesehenen Steve McQueen durch Roy Scheider und entzog dem Streifen durch falsch gesetzte Spannungspunkte und eine oberflächliche Inszenierung jegliches Potenzial. Dass parallel zu „Atemlos vor Angst“ ausgerechnet das von den Studios damals belächelte Science-Fiction-Epos „Star Wars“ in den Kinos lief, erwies sich als Sargnagel für den ambitionierten Film.

Für etwas Aufsehen sorgten noch „Das Kindermädchen“ und „Jade“. Während Friedkin mit „Jade“ 1995 am „Basic Instinct“-Erfolg mitzunaschen versuchte und kläglich scheiterte, erwies sich der Horrorthriller „Das Kindermädchen“ als unfreiwillig komische Horrormär, die kaum noch etwas vom Talent des Regisseurs von „Der Exorzist“ erahnen ließ. 2006 lief mit „Bug“ der letzte Film des einstigen Box-Office-Königs in den Kinos. Bezeichnenderweise weitgehend unbeachtet.

Verheiratet mit Jeanne Moreau – und der Oper

Auch im Privatleben musste er bittere Enttäuschungen verkraften. Viermal war Friedkin verheiratet, darunter mit Frankreichs Filmidol Jeanne Moreau. Eine Ehe, die freilich nur knapp zwei Jahre lang hielt.

Seine Vielseitigkeit bewies er abseits des Filmgeschäfts. 2006 debütierte er als Opernregisseur an der Bayerischen Staatsoper. Es muss ihm ein besonderer Genuss gewesen sein, endlich wieder Applaus zu erhalten …

Rainer Innreiter, Rainer Innreiter

Rainer Innreiter - 1972 in einem kleinen Ort nahe der oberösterreichischen Landeshauptstadt Linz geboren, entdeckte Rainer Innreiter seinen Hang zu ...

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