
- Dürener Fundus-Gruppe hat Tacheles verzockt - Veranstalter
Das Kunsthaus Tacheles ist von der Räumung durch die HSH-Nordbank bedroht. In den Besitz dieser maroden Bank gelangte es, weil der Dürener Kaufmann Anno August Jagdfeld mit dem Gelände, auf dem sich auch das Kunsthaus Tacheles befindet, ganz großes vor, aber dafür zu wenig Geld hatte. Also lieh er sich Bares von der Bank und die schlug zu, als der große Investor Jagdfeld seine Bankschulen nicht bedienen konnte oder mochte. Das Kunsthaus, ein teilweise nur noch als Ruine erhaltenes ehemaliges Kaufhaus, in der Wendezeit von ostberliner Künstlern vor dem Abriss gerettet, fiel als Konkursmasse einer der Jagdfeldfirmen in die großen Hände der HSH-Nordbank.
Am 15. August 2010 ist Demo in Düren
Junge Dürener KünstlerInnen und auch ältere Kunstinteressi setzen sich nun dafür ein, das Kunsthaus in der fernen Hauptstadt zu retten. Denn egal wo, Kunst gehört in die Stadt und auf das Tacheles seit 20 Jahren einer der international viel beachteten Kunstorte in Berlins Mitte, soll erhalten bleiben. Deshalb veranstalten sie eine Demonstration, die vor allem fröhlich und bunt werden soll. „Tacheles retten!“ heißt die Parole und weil am 15.8. 2010 ohnehin Kunst – nämlich der Abschluss der Dürener Jazztage 2010 (8.- 15. August) stattfindet, wollen die KünsterInnen ab 11.00 h vom Rudolf-Schock-Platz, am Haus der Stadt gelegen, mit viel Musik durch ihre Stadt ziehen. „Zu den Jazz.-Tagen blasen wir die Musik. Mit Funk, Punk und Trompeten wollen wir dem Dürener Kaufmann entgegen treten. Auf das er nicht verkaufe, das Künstlerhaus Tacheles in Berlin,“ heißt es in dem Aufruf. „Wir wollen einen fröhlichen Umzug, mit guter Laune und viel Musik“, sagt die junge Organisatorin des Umzugs.
Ruhiges Abwarten im Tacheles
Auch im Tacheles wartet man eher entspannt der Dinge, die da kommen mögen. Ein eher zaghafter Versuch, einen Teil der Außenanlage, auf dem sich die Werkstatt eines „Schrottkünstlers“ befindet, mittels eines Gerichtsvollziehers räumen zu lassen, ging ebenso ins Leere, wie der zweite Anlauf, die Gastronomie, ein Restaurant/Bar und das „Zapata“ die kultische Kneipe im Tacheles zu räumen. Der beim Schrottkünstler verwandte Schriftsatz war wohl juristisch nicht ganz einwandfrei und somit wirkungslos. Beim zweiten Versuch im Zapata begnügte sich der Gerichtsvollzieher zunächst mit der Registrierung der vorgefundenen Räumungsbegehren.
Also werden wohl auch an diesem Wochenende wieder Hunderte Kulturszenegänger und durstige Touristen ihr Bierchen im Zapata trinken. Das Zapata sollte ursprünglich Gelder für die Künstler einspielen. Doch eine eher blauäugige Vertragsgestaltung, die für die Kneipe eine sehr niedrige Miete, dafür Gewinnabgabe an die Künstler vorsah, erwies sich als interpretationsfähig. Mit der Folge, die Kneipe zahlt nichts oder nur sehr wenig an den Künstlerverein. Sicherlich ein Grund, warum der Kunstverein in die finanzielle Schieflage geriet. Dennoch hält das Tacheles seit Jahren ohne jegliche öffentlichen Zuschüsse einen beachtlichen Kunstbetrieb aufrecht. Und die Kunst geht weiter, auch wenn nächste Woche offiziell die Insolvenz über den Tachleles-Verein eröffnet wird.
Montagsdemo der Tacheles-Künstler
Am 26. Juli 2010 startet um 13.00h die nächste „Tacheles-Montags-Demo“ vor dem Tacheles, Oranienburger Straße 54 und führt – vorbei an anderen Liegenschaften der Fundus-Gruppe in Berlin zur Vertretung der HSH-Nordbank in der Hauptstadt. Und auch Kunst gibt es weiterhin im Tacheles, gleich mehrere Ausstellungen finden parallel statt. Neben der Ausstellung des weißrussischen Malers und Tacheles-Künstlers Alexander Rodin „Global warning;“ die Foto-Ausstellung „Abnormal Nudes Preview“, und Maria Gomagina’s – „OVERGUCKT“. Es gibt also weiterhin viel zu sehen im Tacheles.
