
- Unbekannter Toter aus Kerpen-Buir - Polizei Köln
Es ist ein Stoff, wie er sich perfekt auch für eine Verfilmung anbieten würde, wenn die Grundlage nicht so tragisch wäre: Drei Männer wurden erschossen; drei Tote, die fast unbekleidet aufgefunden wurden. Drei Opfer, die nach den bisherigen Ermittlungen der Kripo der Homosexuellenszene zuzurechnen gewesen sind: Der dreißigjährige Heiko S. starb auf einem baden-württembergischen Parkplatz zwischen Magstadt und Stuttgart; der Ermordete saß mit heruntergezogener Hose hinter dem Lenkrad seines Peugeot 106. Eine Kugel traf den Mann am 08. Mai 2010 in den Kopf.
Die Opfer des Serienmörders wurden allesamt fast nackt zurückgelassen
Runde vier Wochen später, also am 02. Juli 2010, wurde der siebzigjährige Hans Friedrich L. auf einem Parkplatz im hessischen Mörfelden-Waldorf gefunden. Auch hier wurde ein Kopfschuss als Todesursache in die Polizeiakten eingetragen. Das Opfer trug nur schwarze Sandalen. Die restliche Kleidung hat der Täter als Trophäe mitgenommen; so jedenfalls die Ansicht der Polizei. Am 30. August 2010 wurde ein dritter Toter gefunden: Diesmal auf dem Rastplatz Im Bahnert an der Autobahn A4, nicht weit von Köln entfernt.
Das Opfer ist noch nicht identifiziert: Der Mann südländischer Herkunft ist etwa 25 bis 35 Jahre alt, 182 Zentimeter groß, 85 Kilogramm schwer und von schlanker sowie sportlicher Erscheinung. Der Tote hat braune Augen, etwa sechs Zentimeter lange, volle schwarze Haare, einen Dreitagebart und gepflegte Zähne. Als besonderes Merkmal an seinem Körper dürfte eine etwa zehn Zentimeter lange Narbe gelten; sie ist bereits älter und verläuft nach Angaben der Polizei quer über dem linken Oberschenkel. Seine Schuhgröße: 40 – 41. Die Fotos, die auch diesem Artikel beigefügt sind, stammen von den zuständigen Polizeibehörden und wurden bundesweit veröffentlicht.
Tatort ist nicht gleich Fundort: Die Polizei startete eine Fahndungsaktion
Der Südländer wurde zwar in einem Waldstück bei Buir gefunden, doch die Kriminalpolizei vertritt die Ansicht, dass der Tatort der Rastplatz an der A4 gewesen sei; sechs Kilometer vom Waldstück entfernt. Nur ein T-Shirt habe das Opfer an Kleidung getragen. Daher vertreten die Ermittler die Auffassung, dass es sich bei dem Täter um einen Schwulenhasser handelt, der die Männer erst zum schnellen Sex in den Autos anheizt und kurz vor dem eigentlichen Akt ermordet; in einem Moment, in dem keines der Opfer mit einer Gewalthandlung gerechnet haben dürfte. Erst recht nicht damit, dass eine Waffe gezogen wird.
Am Abend des 02. September 2010 hat die Polizei Köln im Rahmen einer bundesweiten Fahndung damit begonnen, ein Plakat der Kriminalpolizei Böblingen und der Kriminalpolizei Rüsselsheim an den Parkplätzen der Autobahn aufzuhängen, die als Treffpunkte Schwuler bekannt sind. Mit dieser Plakataktion wollen die zuständigen Ermittler nach Angaben der Fahndungswebsite der Polizei auch herausfinden, ob es tatsächlich einen Zusammenhang zwischen den drei Morden gibt, die sich allerdings vom Muster her sehr ähneln: In allen drei Fällen wurden die Männer per Kopfschuss getötet, nahezu nackt zurückgelassen und die Kleidung entwendet.
Die Frage nach dem Motiv steht im Raum
Wer der unheimliche Schwulenhasser sei, fragt die Onlineausgabe des Kölner Express am 03. September 2010, denn die Kriminalpolizei vermutet, dass der Mörder der drei Männer selbst nicht homosexuell sei und aus Hass morde. Dies kann sein, aber die Kripo kann auch falsch liegen. Es ist sicher so, dass es Heterosexuelle gibt, die schwule Männer verachten. Doch ob diese Männer den Aufwand betreiben, sich quer durch Deutschland zu bewegen, um Mordanschläge zu begehen? Oder einer davon? Wahrscheinlicher ist es aus Sicht der Autors dieses Artikels, dass es ein anderes Motiv für die Tat gibt.
Eine enttäuschte Liebschaft oder eine Infektion mit dem HI-Virus als Motiv
Wer die Schwulen und deren Denkweise kennt, wird andere Auslöser für eine solche Mordserie eher nachvollziehen können. Es ist viel wahrscheinlicher, dass ein enttäuschter und sitzengelassener Liebhaber – der seinen Freund verloren hat, weil dieser möglicherweise mit einem Mann auf einem Parkplatz eine Affaire begann – der Täter ist. Die Morde als Rache für den Verlust des Freundes. Möglich wäre auch, dass ein Homosexueller sich rächt, weil er durch einen One Night Stand auf einem Parkplatz mit dem HI-Virus angesteckt worden ist; was – wenn auch nach Jahren – den sicheren Tod bedeuten kann. Wer erhielt vor Einsatz der Mordserie eine solche Diagnose?
Sex in Parks – auch etwas für Heterosexuelle
Dass sich schwule Männer in Parks treffen, gehört seit jeher zu dem Geschehen in diesen Anlagen. Schneller Sex ist nahezu überall möglich. Wer unter den Heterosexuellen jetzt aber die Nase rümpft, sollte bedenken, dass es zwischen Frauen und Männern nicht anders läuft; in Parks aber auch auf dem sogenannten Straßenstrich kommt es zur Anbahnung sexueller Handlungen zwischen Partnern beiderlei Geschlechts, die dann in Autos oder anderen geeigneten Plätzen vollzogen werden. Auch in solchen Fällen kam es zudem schon zu Mordanschlägen; eine gewisse Gefahr ist immer vorhanden, wenn sich Fremde auf so etwas einlassen.
Schwulenklatschen hat eine lange Tradition
In den Parks, in denen sich Männer treffen, liefen diese nicht erst zu Zeiten des Nationalsozialismus Gefahr, Opfer des sogenannten Schwulenklatschens zu werden: Heterosexuelle gingen meist zu mehreren wahllos auf Schwule los, um sie zu verprügeln. Der Hass auf Andersartiges, auf Fremdes und das sich Starkfühlen im Kreis seiner Kumpel – meist beflügelt vom Alkohol – sind dafür die Auslöser. Doch ein Mann, der mit einer Pistole loszieht und durch halb Deutschland reist, der hat weitergehende Motive, die möglicherweise im privaten Leben des Täters zu suchen sind; blanker Hass und töten just for fun – ein zu schwaches Motiv angesichts des getätigten Aufwandes auf den Autobahnen.
Eine Herausforderung für den Täter
Nach Angaben der Onlineausgabe des Düsseldorfer Express vom 03. September 2010 vermutet die Polizei, dass der Täter über einschlägige Internetforen Kontakt zu seinen Opfern aufnimmt. Nötig wäre das nicht; im Hofgarten Düsseldorfs beispielsweise wie auch auf den Parkplätzen rund um die rheinische Großstadt Köln gibt es genügend Parkplätze und Locations, an denen ein Mann Kontakte machen kann. Dennoch wird der Autor dieses Artikels im Selbstversuch vorgehen und über Gayromeo.de den Eindruck erwecken, ein potentieller Kandidat für ein solches Treffen zu sein. Ob der Täter anbeisst? Lässt er sich auf ein Katz- und Mausspiel ein?
Hinweise aus der Bevölkerung nimmt die Mordkommission Buir unter Tel. 0221/229-0 entgegen.
Update vom 15. September 2010
Ermittlungen haben ergeben, dass es sich bei dem Toten um einen 36-jährigen Geschäftsmann aus Brüssel handelt. Der Getötete wurde anhand seiner Fingerabdrücke identifiziert.
Update vom 15. Dezember 2010: Detlev S. als mutmaßlicher Mörder überführt
Sieben Monate hat die Fahndung zur Aufklärung dieser Verbrechen in Anspruch genommen. Nachdem Zeugen Hinweise auf einen schwarzen BMW mit Esslinger Kennzeichen gegeben hatten, konnte der ehemalige Postbeame Detlev S. (55) der Morde in Mörfeld und Magstadt überführt werden. In seinem Kofferraum wurde die Tatwaffe gefunden; auch die am Tatort sichergestellte DNS stimmt mit derjenigen von Detlef S. überein.
