
- Helferschulung: Den Ballon richtig handeln - Vera Kriebel
Das Revier, das waren einmal hunderte Bergwerke mit tausenden Schachtanlagen, Zugänge zum Untertagebau, meist weithin sichtbar durch ihre Türme oder Fördergerüste (Foto 2). Das ist lange vorbei - es gibt nur noch vier fördernde Zechen im Ruhrgebiet. Allein in Dortmund gibt es 1303 Stellen, an denen einst Bergbau betrieben wurde. Heute werden diese Standorte auf vielfältige Weise genutzt, als Gewerbegebiet, als Parks - manche auch heute noch als wilde Brachen mit inzwischen ganz eigenen Natur-Biotopen.
Gelbe Ballons als SchachtZeichen
Die SchachtZeichen-Standorte sind seit 19. Mai 2010 endgültig festgelegt: Zusammen mit vielen Bewohnern des Reviers wollen nun die Organisatoren der Kulturhauptstadt Europas RUHR.2010 an die Bergbautradition erinnern, um den Mythos Ruhrpott in einem großen Bild sichtbar und begreifbar zu machen: SchachtZeichen ist Gemeinschaftsprojekt, Mega-Event und ganz nebenbei eine 4000 Quadratkilometer großen Kunstaktion. 39 Städte, Unternehmen, Vereine, Initiativen und über 150 Ballon-Patenschaften, Projektsponsoren (zum Beispiel Air Liquide) und Projektförderer sind dabei.
350 große und unzählige kleine gelbe Ballons werden eine Woche lang über ehemaligen Schächten bis zu 80 Meter hoch schweben. Start ist am 22. Mai 2010 um 12 Uhr. Bis zum 30. Mai 2010 befüllen hunderte inzwischen in der Handhabung der Ballons geschulte Helferteams (darunter auch die Autorin) die Ballons mit Helium, lassen sie aufsteigen und holen sie abends um 20 Uhr wieder herunter. Die gelb beflaggten Ballons - so die Vorstellung - markieren kilometerweit sichtbar die Orte. Am 24. und 29. Mai geben sie sogar "NachtSchachtZeichen": Dann strahlen sie, von innen beleuchtet, bis 1.00 Uhr nachts. Besonders geeignete "Hochsitze" mit Überblick sind dafür naturgemäß Fernsehtürme und die inzwischen meist begrünten Halden im ansonsten flachen Ruhrgebiet. Noch besser ist es bei Rundflügen oder Ballonfahrten - dabei dürfte man einen fantastischen Blick über das mit den gelben Ballons gespickte Revier haben. Wer es direkter und bodenständiger mag, geht zu einem der vielen SchachtZeichen-Standorte:
SchachtZeichen-Stadtfest in Dortmund-Marten
Am 22. Mai 2010 feiert Dortmund-Lütgendortmund das Stadtfest an Germania 1 (Steinhammer Straße 84). Von 11 bis 18 Uhr gibt's am ehemaligen Schacht 1, auf dem jetzigen Gelände des Instituts für Gefahrstoff-Forschung der Berufsgenossenschaft, ein Unterhaltungsprogramm mit Musik, Tanz, Essen und Trinken. Die Amateurfunker mit dem Amateur Radio Ruhr.2010 sind ebenfalls vor Ort. Institutschef Hartfiel verspricht viele nette Leute und spannende Einblicke ins Institut und seine Arbeit - es gibt extra Führungen über das normalerweise nicht öffentliche Gelände.
Wer im Westen den besten Ausblick und die beste Übersicht haben möchte sollte sich auf eine der folgenden Orte begeben. Tagsüber hat man vom Förderturm der Zeche Zollern (Bövinghausen, Industriemuseum) aus die beste Rundumsicht auf die SchachtZeichen im Westen Dortmunds. Auf dem Deusenberg, der ehemaligen Deponie Deusen (Lindbergstraße/Nähe Dortmunder Hafen) hat man von der EDG-Mountainbike-Arena aus 112 Meter über NN einen schönen Ausblick über Dortmund. Ebenso geeignet ist die benachbarte Halde Ellinghausen (IKEA-Warenverteilzentrum). Der Fernsehturm Florian (Zugang über den Westfalenpark) bietet aus 144 Metern Höhe den wohl höchsten Ausblick – allerdings nicht umsonst.
Bergwerksgeschichte der Zeche Germania
Das ist die Gegenwart - Germania 1/4/7, das war einmal. Die Zahlen nach dem Zechennamen stehen übrigens für die Schächte. Früher wurden die Schächte in römischen Zahlen nummeriert: Da war Germania 7 dann Germania VII - das sah bedeutender aus. Eine Zeche hatte immer mehrere Schächte, zum Beispiel jeweils eigene Schächte für den Personal-Transport, für den Kohletransport, für den Luftaustausch, für das Abpumpen des Wassers, stillgelegte Schächte, weil man von ihnen nicht mehr zu den Abbaustellen kam und so weiter. Schacht 1 zum Beispiel wurde 1855 als Verein Germania gegründet, 1858 in Betrieb genommen, 1917 stillgelegt, 1971 verfüllt, das heißt - so gut es geht - wurden die Stollen und Hohlräume mit Steinen, Schlacke und so weiter gefüllt. Da rutschten aber 500 Meter weiter schon die Häuser seit den 60er Jahren 1,5 Meter ab - einundeinhalb Meter Haussenkung! Der Stadtteil Dortmund-Marten hat sich im Verlauf der letzten 150 Jahre um mehrere Meter gesenkt. Über Germania 4 dagegen wurde erst 1913 gefördert, 1930 wurde der Schacht schon stillgelegt, 1971 verfüllt.
Die Zeche Germania war ein Steinkohlen-Bergwerk im Dortmunder Stadtteil Marten. Wegen der schlechten Wetterführung kam es auf der Zeche Germania bis 1881 insgesamt zu 24 Schlagwetterexplosionen mit 59 Toten. "Wetter" ist in der Bergmanns-Sprache die Belüftung - naturgemäß Untertage immer ein existenzielles Problem. 1892 ging die Zeche in den Besitz der Gelsenkirchener Bergwerks AG über und wurde mit Zeche Zollern zu einem Verbund zusammengefasst. Im Jahre 1910 begannen die Teufarbeiten für Schacht Germania 4, der drei Jahre später in Betrieb ging. Im gleichen Jahr wurde Schacht 1 "vom Tage aus" verfüllt und inmitten des Ersten Weltkrieges stillgelegt. Der Südschacht (Germania 7), der erst 1959 in Betrieb genommen worden war, blieb auch nach dem Ende der Zeche offen und dient fortan Wasserstandsmessungen. Übrigens kam das Fördergerüst von Schacht 5 der Zeche Germania 1973 zum Deutschen Bergbaumuseum in Bochum und ist dort heute Wahrzeichen.
Germania I befindet sich in der Steinhammerstr. 84 in Dortmund-Marten. Angegeben wird aber die genaue geographische Lage: Breitengrad - N 51.50172777770221, Längengrad - E 7.373194444461014.
Schachtzeichen in Huckarde, Kirchlinde, Kley, Oespel, Bövinghausen und Dorstfeld
Auch an anderen Standorten wird gefeiert und Institutionen, Firmen und Städte stellen sich "unterm Ballon" vor, es gibt Picknicks und Konzerte, Zeltlager und Sportturniere: leider nicht vollständiger Flyer der Dortmunder SchachtZeichen-Standorte. Stadtteilfeste im Dortmunder Westen sind: 28. Mai 2010 Huckarde (Hülshof 32 / Zeche Hansa), 29. Mai Huckarde (Bärenbruch 128 / Zeche Zollern I/III), 30. Mai Dorstfeld (Oberbank 1 / Zeche Dorstfeld).
Weitere Standorte im Dortmunder Westen: Borussia Schacht 1/2 (DO-Kley, Tönnishof 8), Dorstfeld Schacht Adolf (DO-Oespel, Brennaborstr. 68), Zollern I Schacht 1/3 (DO-Kirchlinde,Bärenbruch 128), Hansa Schacht 2 (DO-Huckarde, Hülshof 32), Dorstfeld Schacht 2/3 (DO-Dorstfeld,Oberbank 1), Dorstfeld Schacht 1/4 (DO-Dorstfeld, Auf dem Brümmer 9), Germania Schacht 2/3/5 (Martener Str., CJD-Gelände). Und nicht zu vergessen eines der Industriekultur-Highlights: Zollern II/IV (DO-Bövinghausen, Grubenweg 5) mit Jugendstil-Zeche und Industriemuseum.
Eine ebenfalls nicht ganz vollständige Übersicht über alle Standorte gibt es bei SchachtZeichen. SchachtZeichen: 22.05.2010, 12:00h - 20:00h; 23.05.-30.05.2010 10:00h - 20:00h; 24. und 29.5.2010 bis 1:00 Uhr. Eine Halbzeitbilanz mit Tipps und Infos zu den Aufgaben der SchachtZeichen-Helfer gibt es bei anderen suite101-Beiträgen.
