"Das blaue Licht" DDR-Märchen von Iris Gusner nach Gebrüder Grimm

Das blaue Licht, Victor Semyonov, Iris Gusner - Icestorm
Das blaue Licht, Victor Semyonov, Iris Gusner - Icestorm
1976 verfilmte einer der wenigen weiblichen Regisseure der DDR dieses Märchen als ihr Kino-Debüt, nachdem ihr eigentliches Debüt von 1973 verboten wurde.

Die Grimmsche Variante „Das blaue Licht“ des Hans-Christian-Andersen-Märchens „Das Feuerzeug“ wurde in der DDR-Märchen-Verfilmung von Iris Gusner noch einmal abgeändert. Als Kernaussage dominiert in „Das blaue Licht“ nicht die Zauberkraft an sich, sondern die der Selbsthilfe.

Soldat wird um seinen Lohn betrogen und trifft im Wald auf eine Hexe

Der kluge, gewitzte und mutige Soldat Hans (Viktor Semyonov, ein Typ wie Andre Eisermann in „Schlafes Bruder“) wird im Krieg zum Invaliden und von seinem König (Helmut Straßburger, „Emilia Galotti“) undankbar behandelt und um seinen Sold betrogen. Beim Davonziehen begegnet er im Wald einer Hexe (Marylu Poolman, „Schulze get's the blues“). Diese heilt mit Bärenfett und noch so Allerlei seine Kriegswunde und stellt ihm zur Aufgabe, ihr ein blaues Licht aus einem trockenen Brunnen herauf zu holen. Als er sich seine Tabak-Pfeife am blauen Licht anzündet, erscheint ihm dadurch ein kleines Männchen mit Zauberkräften: „Du hast das blaue Licht, und wer das Licht hat, dem muss ich dienen! Ich kann so viel, wie du dich traust“ sind seine Worte.

Hans nutzt die Zauberkraft des blauen Lichts

Hans lässt sich befreien, die Hexe verbrennen, von der Hexe gestohlenen Schmuck und Gold geben. Er zieht vollen Mutes auf in die Königsstadt. Obwohl der König verbot, Landstreicher auf Eseln einzulassen, lässt sich Hans drei Mal nachts auf das Zimmer der dummen, Daumen lutschenden Königstochter (Katharina Thalbach, „Sonnenallee“, „Die Blechtrommel“, „Sophies Entscheidung“) bringen. Die Prinzessin muss ihm Magd-Dienste verrichten. Das Männlein bringt sie jedes Mal vor Morgengrauen zurück; sie selbst glaubt, es wäre nur ein Traum. Die blutjunge Katharina Thalbach sieht ohne blonde Perücke, als kurzhaarige Prinzessin in „Das blaue Licht“ haarscharf wie Liza Minelli in „Cabaret“ aus und scheint sich zu Hans' vorerstigen Nachteil nur so dumm zu stellen – doch Hans erbittet sich am Galgen stehend das letzte Pfeiffchen vom König und es folgt daraufhin bald ein lauter Knall...

„Das blaue Licht“ blieb einziger Märchenfilm Iris Gusners

„Das blaue Licht“ blieb Iris Gusners einziger Märchenfilm. Die Regisseurin bevorzugte in ihren Regie-Arbeiten hauptsächlich Frauen-Themen und bekam 1980 für „Alle meine Mädchen“, ihr Gruppenporträt über Arbeiterinnen in einem Glühlampenwerk, den Kunstpreis des „Freien Deutschen Gewerkschaftsbundes in der DDR“ und den „Großen Steiger“ der Publikums-Jury des nationalen Spielfilmfestivals Karl-Marx-Stadt (heute: Chemnitz).

Ihr Spielfilm-Regie-Debüt von 1973, „Die Taube auf dem Dach“, wurde verboten, nicht archiviert, sondern vernichtet und die Arbeitskopie galt als verschollen. In Schwarz-Weiß restauriert kommt es nun nach fast 40 Jahren am 09. September 2010 im Verleih der DEFA-Spektrum bundesweit in die Kinos. Lesen Sie hierzu ein Interview mit der Regisseurin Iris Gusner.

„Das blaue Licht“ von Iris Gusner, am 29. August 2010 um 14 Uhr auf RBB im Fernsehen zu sehen, erschien am 14. August 2007 als DVD + Hörspiel-Audio-CD bei der Icestorm Entertainment GmbH

Martin Döringer, Linda Hess

Martin Döringer - Derzeit filmt Martin Döringer Zwischenschnitte seines Doku-Spielfilms "Berlin - Vier Jahreszeiten"Musikvideo für seine Single ...

rss
Hilfreich?