Boxen im Ersten - Hernandez und Cunningham kämpfen um die WM

Bleibt Hernandez Weltmeister? - BoxingPress
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Yoan Pablo Hernandez gegen Steve Cunningham lautet der Box- und Rückkampf um die WM, die am 4. Februar 2012 in Frankfurt von der ARD übertragen wird.

Yoan Pablo Hernandez gegen Steve Cunningham: Der erste Fight zwischen den beiden Boxern im Oktober 2011 erhitzte die Gemüter der Boxfans und sorgte für reichlich Gesprächstoff unter den Boxexperten. Grund genug für den Weltboxverband der IBF offiziell einen Rückkampf anzuberaumen, in dem „Pawlowsky“ Hernandez (Kuba) und „USS“ Cunningham (USA) am 4. Februar 2012 in der Frankfurter Fraport Arena erneut aufeinandertreffen. Diesmal ist es Hernandez, der als Cruisergewichtsweltmeister in den Boxring klettert.

Hernandez gegen Cunningham: der Rückkampf um die IBF-Weltmeisterschaft

Yoan Pablo Hernandez (25-1, 13 Knockouts) hat im vergangenen Jahr in einem sogenannten „Stallduell“ Boxweltmeister Steve Cunningham (24-3, 12 Knockouts) in einer spannenden und unterhaltsamen Auseinandersetzung entthront. In Neubrandenburg führten blutende Cutverletzungen am Ende der sechsten Runde zum vorzeitigen Ende des Kampfes. Da die Cuts beim Kubaner durch unabsichtliche Kopfstöße entstanden waren, mussten die Wertungszettel der Kampfrichter über Sieg oder Niederlage entscheiden. Mit 2:1 Richterstimmen wurde, der von Boxurgestein Ulli Wegner trainierte, Hernandez (27 Jahre) damals neuer Weltmeister im Cruisergewicht.

Der Skandalfight zwischen Hernandez und Cunningham

In der ersten Begegnung sah der Kubaner schnell wie der sichere Sieger aus. Bereits in der Eröffnungsrunde beförderte er den Weltmeister auf die Bretter und sorgte so für die erste Kontroverse der Boxveranstaltung: Nicht wenige Boxexperten kritisierten das langsame Anzählen von Ringrichter Mickey Vann. Cunningham hatte Glück im Unglück, denn der Kampf hätte zu diesem Zeitpunkt zugunsten des Kubaners durchaus abgebrochen werden können. Im weiteren Verlauf prallten dann beide Boxer mehrmals mit den Köpfen zusammen. Einer dieser Zusammenstöße war so heftig, dass Hernandez blutende Cutverletzungen erlitt und Cunningham sich nicht hätte beschweren dürfen, wenn seine Aktion als absichtlicher Kopfstoss ausgelegt worden wäre. Auch die Nichtahndung der Kopfstöße als Foul konnte man als diskussionswürdig einstufen.

Hernandez und Cunningham boxen wieder um die Weltmeisterschaft

Hernandez wirkte durch die Verletzung beeinträchtigt, der Amerikaner kam immer besser in den Kampf. In dieser Phase folgte der große Auftritt von Ringarzt Professor Dr. Wagner, der in der Vergangenheit schon mehrfach an "Skandalen im Boxring" beteiligt war und dem eine gewisse „Nibelungentreue“ zu den Boxern von Ulli Wegner nachgesagt wird. Professor Dr. Wagner gab dem Ringrichter die Empfehlung die Weltmeisterschaft abzubrechen. Allerdings war es nicht der Abbruch selbst, der zu Empörung in der Boxszene führte, sondern vielmehr die Befangenheit und die Begründung des Ringarztes. Professor Dr. Wagner gab öffentlich zu, dass der Cut allein nicht schwer genug war, um einen Kampfabbruch zu rechtfertigen. Vielmehr sah er den Kubaner klar benachteiligt und er bezog in seinem Urteil sogar den Punktestand mit ein. Ein klarer Verstoß gegen die vorgeschriebene Neutralität des Ringarztes, was letztendlich als logische Folge die Rückkampfanordnung seitens des Weltboxverbandes IBF mit sich brachte.

Boxen im Ersten: Box-Stallduelle sorgen für Brisanz

Sowohl Hernandez als auch Cunningham (35 Jahre) stehen bei der Sauerland-Event-Boxpromotion unter Vertrag, was ebenfalls für Diskussionen sorgt(e). Denn viele Indizien sprachen und sprechen dafür, dass der 1.93 m große Hernandez mehr Lobby durch seinen Boxstall genießt als der US-Amerikaner (1.90 m). Die Verpflichtung von Cunningham 2010 schien von Sauerland aus der Not geboren und doch berechnend erfolgt zu sein, als dieser 2007 Marco Huck besiegte und seinen WM-Gürtel behielt. Cunninghams Engagement war ein kluger Schachzug, bot er Sauerland doch mehr Verhandlungsspielraum bei der Ansetzung von weiteren Cunningham-Kämpfen und ein gewisses Mitspracherecht bei der Gegnerverpflichtung. Jetzt allerdings scheint der Amerikaner „ausgedient“ zu haben.

WM-Boxkampf zwischen Hernandez und Cunningham verspricht boxerische Klasse

Nicht nur das direkte Aufeinandertreffen zweier „Boxkollegen“ verspricht im Rückkampf Brisanz und Dramatik, sondern auch das Können und die boxerischen Fertigkeiten der beiden Boxer. Der kubanische Rechtsausleger (Knockoutquote: 50 Prozent) ist der schnellere und explosivere Kämpfer, während der Normalausleger aus der USA mit einer Knockout-Schlagkraft von 44,44 Prozent eine Spur ausgepuffter, technisch gewiefter boxt und konditionsstärker wirkt. Der jüngere Hernandez hingegen agiert teilweise zu kraftraubend, braucht Pausen und gilt nicht unbedingt als Boxer, der viel einstecken kann.

Yoan Pablo Hernandez gegen Steve Cunningham- Boxen auf Weltklasseniveau

Was Größe, Gewicht, Schlagstärke und Boxtechnik angeht, nehmen sich Hernandez und Cunningham nicht viel. Die Siegeschancen sind für die Weltmeisterschaft auf beiden Seiten sportlich gleich verteilt. Es bleibt zu hoffen, dass den Rückkampf nicht erneut ein unrühmliches Ende ereilt. Ausgeschlossen werden kann das nicht, denn der Herausforderer boxt gelegentlich unsauber und bei Duellen zwischen Rechts- und Normalauslegern gibt es immer wieder unglückliche Situationen im Nahkampf. Als amtierender Weltmeister genießt der Kubaner außerdem einen gewissen Champion- und Heimbonus. Die Anlässe für weitere, mögliche Spekulationen bleiben also bestehen, wenn der WM-Kampf eine enge und ausgeglichene Angelegenheit wird, was zu erwarten ist.

Nachlese zum Boxen im Ersten - Hernandez gegen Cunningham

Im Rückkampf gab es dieses Mal keine Kontroversen. Hernandez siegte klar und eindeutig nach Punkten. Cunningham musste mehrmals angezählt werden.

Quelle: Boxdatenbank „BoxRec“

Marco Theuer, Boxjournalist, Sportautor

Marco Theuer - Marco Theuer, Jahrgang 1972, Sportautor und Boxjournalist war selbst jahrelang aktiver Boxer und Leistungssportler. Als Landesmeister und ...

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