Karibik-Thriller "Hillarys Blut"

Krimiautorin und Karibik-Kennerin Claudia Rossbacher im Interview

22.02.2008 Ilona Mayer-Zach

Rossbacher: Hillarys Blut - Kontrast-Verlag
Rossbacher: Hillarys Blut - Kontrast-Verlag
Claudia Rossbachers Thriller „Hillarys Blut" entführt den Leser in die luxuriöse, aber auch mörderische Welt auf Antigua.

Was geschieht, wenn auf einer kleinen Karibikinsel zu wenig Menschen sterben, die ihren Leichnam der Medizin zur Verfügung stellen? Was, wenn deshalb hohe Prämien für Körperspenden ausgesetzt werden? In „Hillarys Blut“ gibt die Kosmopolitin, Wiener Krimiautorin und Karibik-Kennerin Claudia Rossbacher Antworten auf diese Fragen. Ihr Thriller ist auf der kleinen Karibikinsel Antigua angesiedelt, wo sich die Protagonistin Sonja Podolski eine Auszeit gönnen möchte. Doch hinter der scheinbaren Idylle lauern Intrigen, Habgier und tödliche Geschäfte. Mit der Beschreibung der reizvollen Landschaft und des leichtlebigen Alltags in der Karibik bringt Rossbacher den Leser zum Träumen. Mit einem blutigen Psychodrama holt sie ihn in die Krimi-Realität zurück.

Was war der Auslöser für diesen idyllisch-mörderischen Karibik-Thriller?

Initialzündung war die Erzählung eines befreundeten Arztes auf Antigua, das mittlerweile zu meiner zweiten Heimat geworden ist. Nachdem es dort zu wenig Leichen für die Ausbildung der Medizinstudenten gab, hatte man kurzerhand eine Prämie von 2.000 Dollar für jede Körperspende ausgesetzt. Der Rest ist reine Fiktion. „Hillarys Blut" ist zwar ein Thriller, der die Leser in die mörderische Welt der Multimillionäre in der Karibik entführt, im Kern geht es jedoch um die Suche einer Frau nach sich selbst, nach ihrer Aufgabe, nach ihrem Platz im Leben und nach der großen Liebe. Es geht darum, dass jeder von uns jederzeit und völlig unerwartet in eine hoch dramatische Situation geraten kann, mit der er niemals gerechnet hätte.

Vierzig Menschen müssen in „Hillarys Blut“ ihr Leben lassen. Warum gar so viele?

Für jedes Lebensjahr eine Leiche. Spaß beiseite: Siebenunddreißig sind schon zu Beginn des Plots verstorben, was für die Handlung nur am Rande, aber eben doch von Bedeutung ist. Drei weitere Menschen kommen im Laufe des Romans zu Tode. Sterben gehört nun mal zur Kriminalliteratur. Zum Leben übrigens auch. Ich denke, das Besondere an „Hillarys Blut" ist einerseits der idyllische Schauplatz Antigua, andererseits ist es der Blick hinter die luxuriösen Fassaden der Schönen und Reichen. Mein Debütroman ist eine spannende Urlaubsreise mit durchaus erotischen Momenten.

Wie haben die Leute auf Antigua auf den Kriminalroman reagiert?

Bisher ist „Hillarys Blut" nur auf Deutsch erschienen. Deshalb haben in Antigua „nur" meine vielen deutschsprachigen Freunde und Bekannten das Buch gelesen. Die meisten waren davon begeistert. Es gab nur einen Antiguaner-Kenner, dem die erotischen Schilderungen zu gewagt waren. Die Sexszenen sind realistisch, aber alles andere als Hardcore. Sie sind notwendig, um nachvollziehen zu können, dass die Protagonistin auch ein Stück weit Opfer der eigenen bis dahin nicht ausgelebten Leidenschaft wird.

Apropos Protagonistin: Gibt es Parallelen zwischen Sonja und ihrer Schöpferin?

Sonja stammt aus einem ähnlichen privaten und beruflichen Umfeld wie ich, und ich habe die Phase, in der sie steckt ,auch durchgemacht. Bei jedem Menschen ist es irgendwann an der Zeit, sich selbst und seinen Platz im Leben zu überdenken und falls nötig neu zu definieren. Charakterlich sind wir jedoch sehr verschieden.

Claudia Rossbacher ist in Wien, Teheran und Jakarta aufgewachsen, hat als Model Japan, Mailand, Paris und andere Metropolen dieser Welt bereist, war erfolgreiche Kreativdirektorin: Wie wird ein Model zur Krimiautorin?

Ich „war" nicht Model, sondern ich habe „als Model gearbeitet". Für mich war das nie ein Beruf oder gar Berufung. Das Modeln ist ein ziemlich unglamouröser, zermürbender Job, der mir nur sehr bedingt und kurze Zeit Spaß machte. Aber: Ich war jung, und es ermöglichte mir, relativ schnell relativ viel Geld zu verdienen. Ich konnte reisen und studieren ohne finanziell abhängig zu sein. Danach zog es mich in die Werbung. Nach vielen erfolgreichen Jahren als Texterin und Kreativdirektorin beschloss ich endlich, meinen Traum von der Autorenkarriere zu leben. Dass mein eigentliches Talent das Schreiben ist, wusste ich sehr früh. Bis zu meinem ersten Roman war es jedoch noch ein weiter Weg. Es brauchte viele Reisen und Begegnungen, die mich erst dazu inspirierten, spannende Geschichten und interessante Charaktere zu entwickeln.

Das nächste Krimiprojekt ist bereits in Arbeit. Wohin wird uns der nächste Roman entführen?

Mein nächster Thriller spielt auf Mallorca und in Berlin. Diesmal geht es um die mörderische Macht der Boulevardmedien. Im Mittelpunkt steht eine ehrgeizige Society-Reporterin, die von einer bekannten Filmschauspielerin beauftragt wird, deren Skandalbiografie zu schreiben, was einigen prominenten Kollegen gar nicht schmeckt. Während der Dreharbeiten auf Mallorca wird die Diva anonym bedroht, überfallen und verschwindet schließlich spurlos... Im Kern geht es um die Suche nach Liebe und Anerkennung. Mein nächster Roman wird voraussichtlich Ende 2008 erscheinen.

Danke für das Interview.

Claudia Rossbacher: Hillarys Blut. Kontrast Verlag 2007. Broschiert, 232 Seiten. Euro 14,90 (Österreich Euro 15,40; Schweiz CHF 27,50).

Weitere Krimitipps: Tödliche SMS; Mord im Kurpark; Geheimes Venedig; Kokoschanskys Trip.

Urheberrecht: Ilona Mayer-Zach. Verwendung des Textes nur mit schriftlicher Genehmigung des Autors.

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