Interview mit der Autorin Christine Spindler alias Tina Zang

10.05.2010 Adele Sansone

Karatehamster - Ars edition
Karatehamster - Ars edition
Tina Zang ist die Schöpferin der pfiffigen Figur des Karatehamsters. Um eben diese Kinderbuch-Figur dreht es sich hauptsächlich in diesem Interview.

Tina Zang, im echten Leben als Christine Spindler unterwegs, ist die Schöpferin der pfiffigen Figur des Karatehamsters. Hier beantwortet sie viele Fragen zu seinem Werdegang.

Wie war Ihr Werdegang zur Autorin? Über Umwege, geradlinig? Wollten Sie immer schon schreiben oder kam die Lust dazu erst später? Gab es vielleicht auch einen konkreten Anlass?

Tina Zang: Es gab einige Umwege. Zunächst habe ich Physik studiert, jedoch bald gemerkt, dass ich damit nicht glücklich werden würde. Danach habe ich eine Ausbildung zur Fremdsprachenkorrespondentin gemacht und 15 Jahre für ein Übersetzungsbüro gearbeitet. Schreiben war von Kindheit an mein liebstes Hobby, und als ich mit Mitte 30 gesundheitliche Probleme bekam, habe ich mich darauf besonnen, was ich eigentlich wirklich vom Leben will. So entschied ich mich, Schriftstellerin zu werden.

Mit der Kinderbuch-Reihe um den kleinen Karate-Hamster haben Sie einen echten Hit für junge Leser gelandet. Wie lange dauerte die Suche nach dem geeigneten Verlag oder griff gleich der erste zu?

Tina Zang: Es hat sehr lange gedauert – so lange, dass ich schon kurz davor war, das Handtuch zu werfen. 5 Jahre vergingen von dem Zeitpunkt, als ich das Manuskript des ersten Bands fertig gestellt hatte, bis zu dem Moment, wo ich endlich den Vertrag unterschreiben konnte. Dazwischen lagen viele Absagen, sowohl von kleinen als auch großen Verlagen.

Rückblickend bin ich aber sehr froh, dass es so gelaufen ist, denn ich bin mit meinem Verlag und vor allem den Lektorinnen sehr glücklich. Auch die Aufmachung der Reihe hätte nicht besser sein können.

Warum gerade ein Hamster und keine Ratte oder ein anderes Tier?

Tina Zang: In meinen ersten Kinderbüchern, der Fantasy-Reihe „Mica & Marty“, war eine Ratte die Hauptperson. Einen gewissen Hang zu Nagetieren kann man mir also durchaus unterstellen. Für Hamster habe ich mich deswegen entschieden, weil die meisten Kinder schon mit Hamstern zu tun hatten – sei es daheim oder bei Freunden – und darum leicht eine Beziehung zu meinen Buchhelden aufbauen können.

Wie ist Ihre Beziehung zu Tieren?

Tina Zang: Meine Beziehung zu Tieren – vor allem zu Katzen – ist sehr innig. Auf meinen täglichen Spaziergängen unterhalte ich mich mit vielen Katzen. Die kennen mich schon und wissen: „Jetzt kommt wieder die Plappertante, die uns zwischen den Ohren krault“.

War die ursprüngliche Idee bereits für eine Reihe da, oder hat sich das erst beim Schreiben ergeben? Oder auf Anfrage des Verlages?

Tina Zang: Als der erste Band unter Vertrag kam, war der zweite bereits fertig. Damit stand fest, dass es eine Reihe werden würde.

Wie stark ist der Einfluss des Verlages, sprich des Lektors/Lektorin? Werden Anregungen zu Fortsetzungen gegeben, gewünscht, verworfen?

Tina Zang: Das ist verschieden. Es gibt Verlage, mit denen ich sehr eng zusammenarbeite, andere lassen mich an der langen Leine. Die Zusammenarbeit mit guten Lektorinnen empfinde ich hilfreich und inspirierend, denn sie wissen, worauf es ankommt und kennen die Zielgruppen. Natürlich sind sie auch selbst kreative Menschen und bringen interessante Ideen ein.

Ihre Haltung zu Ihrem Beruf?

Tina Zang: Bei Lesungen fragen mich die Kinder oft, ob Schriftstellerin ein schöner Beruf sei. Das kann ich natürlich nur für mich selbst beantworten (wer lieber Fußball spielt, sollte eher Fußballer werden ). Für mich ist es der schönste Beruf der Welt, weil er ganz und gar zu mir passt, mit all seinen Facetten, die weit vielfältiger sind, als ich mir am Anfang erträumt hatte. Es ist auch kein einsamer Beruf, wie oft behauptet wird. Lesefestivals, Autorentreffen, Verlagsbesuche, Zusammenarbeit mit Co-Autoren – da hat man immer wieder nette Menschen um sich. Das genieße ich sehr. Und dann diese Freiheit, zu jeder beliebigen Tageszeit und an jedem Ort der Welt arbeiten zu können! An feste Bürozeiten könnte ich mich wohl nicht mehr gewöhnen.

Kommen wir zur Schreibtechnik: Da gibt es zwischen den Autoren enorme Unterschiede. Manche planen ihr Manuskript von A-Z, ohne noch eine einzige Zeile geschrieben zu haben und legen erst dann los. Wie gehen Sie es an?

Tina Zang: Ich bin ein Bauchschreiber, lege einfach los, sobald ich eine neue Idee habe. Nach einer Weile merke ich , wohin sich die Idee entwickelt, dann plotte ich ein bisschen, erstelle eine Liste der Personen mit ihren Eigenschaften, plane den Aufbau, aber nur ganz grob. Natürlich komme ich hin und wieder ins Stocken. Da hilft ein Brainstorming mit meinem Mann oder meinen Lektorinnen. Wie eine Geschichte ausgeht ist meistens für mich selbst eine Überraschung.

Verpacken Sie in Ihre Geschichten auch eine Botschaft? Oder geht es nach dem Grundsatz - es soll einfach Lesespaß machen?

Tina Zang: Ich verpacke nie absichtlich Botschaften, aber das Thema eines Buches führt meist automatisch dazu, dass ich meinen Protagonisten einige meiner Lebensansichten unter juble. Hinterher ist also meist eine Botschaft drin, oft auch mehrere. Aber wenn ich schreibe, geht es mir nur um den Spaß.

Wer Interesse an der Autorin Tina Zang/Christine Spindler bekommen hat, kann sie mit ein wenig Glück bei einer ihrer Lesereisen durch ganz Deutschland erleben. Es zahlt sich aus.

Urheberrecht: Adele Sansone. Verwendung des Textes nur mit schriftlicher Genehmigung des Autors.

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