Der asiatische Horrorfilm in Kürze27.05.2010 Silke Labudda
Horrorfilme üben eine große Faszination aus - Duke Bächer/Pixelio
Spätestens seit US-Remakes wie "The Ring“ oder "Ju-On – The Grudge“ hat auch der gewöhnliche Kinobesucher eine Ahnung davon bekommen, was asiatische Filmemacher zu bieten haben. Dass sich ein gigantischer Markt dahinter verbirgt, der jedes Jahr unzählige Filme hervorbringt, wissen allerdings die Wenigsten. Natürlich sind diese Filme, wie in jeder anderen Branche auch, von unterschiedlicher Qualität. Gemeinsam haben sie jedoch fast alle, dass sie selten über die Grenzen Asiens hinaus bekannt werden. Allenfalls eingefleischten Fans des Genres sind Filmtitel, Schauspieler und Regisseure ein Begriff – was schade ist, denn unter den asiatischen Produktionen finden sich besonders im Horror-Genre wahre Schätze, die das Herz eines jeden Fans höher schlagen lassen. Langhaarige Geister und rachsüchtige SeelenFür den unbedarften Zuschauer erscheinen in asiatischen Länden produzierte Filme oft verwirrend, teilweise auch langatmig oder gar langweilig. Dies gilt besonders für die Geister- oder Mystery-Filme, in denen es beispielsweise um rachsüchtige Seelen geht, die nach ihrem gewaltsamen Tod die Lebenden heimsuchen. Die Thematik an sich ist natürlich nicht neu; allerdings kommt hier der Horror oft unterschwellig daher, ohne viel "Action“ oder Blutvergießen. Meistens reicht schon der Anblick eines langhaarigen weiblichen Geistes (dieses Bild ist in asiatischen Ländern ungefähr so gängig wie hierzulande das Gespenst im weißen flatternden Laken), damit sich dem Zuschauer die Nackenhaare aufstellen. Das eigentliche Grauen spielt sich im Kopf des Zuschauers ab, ebenso wie das Zusammenfügen der Handlungsstränge. Wer erwartet, an die Hand genommen zu werden und erklärt zu bekommen, wie alles zusammenpasst, wird am Ende sicherlich ein großes Fragezeichen über seinem Kopf tragen. Beispiele für dieses Genre sind "Pulse (Kairo)“, "A Tale of Two Sisters“, "Ju-Rei (The Uncanny), "Noroi – The Curse“, und viele mehr. Darf es etwas blutiger sein? Die so genannten Gore- und Splatterfilme ...Einen klaren Gegensatz zu den oftmals eher kopflastigen Geisterfilmen stehen die so genannten Gore- oder Splatterfilme, in denen Folter und Mord überdeutlich dargestellt werden; mehr noch, hier wird Blutvergießen zur Kunstform erhoben, und zwar mit einer solchen Liebe zum Detail, dass selbst hartgesottenen Kinogängern zuweilen übel wird. Die Handlung steht dabei mehr oder weniger im Hintergrund, wichtig ist der Schockeffekt, der selten ausbleibt und gegen den Hollywood-Produktionen wie "Saw“ oder "Hostel“ harmlos erscheinen. Dabei mischt sich häufig eine gute Portion schwarzer Humor unter das Grauen. Beispiele: "Grotesque (Gorutesuku)” "Red Room 1 & 2“, "The Guinea Pig Series”, "Ebola Syndrome“. Comedy und CyberpunkSelbstverständlich findet man auch Vampir-, Monster- und Zombiefilme, die in asiatischen Länden produziert wurden. Diese sind häufig sehr überzogen und damit nicht ganz unfreiwillig komisch. Wer sich nicht nur gern gruselt oder ekelt, sondern auch mal herzhaft lachen möchte, dem seien Filme wie "Oh! My Zombie Mermaid“ oder "Vampire Girl vs. Frankenstein Girl“ ans Herz gelegt. Etwa ernsthafter an die Thematik der Untoten wagt sich beispielsweise der koreanische Vampirfilm "Thirst (Durst)“. Ein etwas im Hintergrund stehendes Genre ist das des Cyberpunk. Der Begriff stammt eigentlich aus der Science-Fiction-Literatur und steht für eine düstere, oft schmutzige und gewalttätige utopische Welt. In ebensolche entführen den Zuschauer auch die asiatischen Cyberpunk-Filme. Nicht selten mischen sich Brutalität und bizarrer Sex in einer verwirrenden Geschichte (von einer tatsächlichen Handlung kann man oft nicht sprechen), die mehr Fragen aufwirft, als sie beantwortet. Wer einen Blick riskieren möchte, sollte sich nach Filmen wie "964 Pinocchio“ oder "Rubber’s Lover“ umsehen. Neugierig auf den asiatischen Horrorfilm geworden?Dieser Artikel stellt natürlich nur eine sehr grobe Übersicht über das Genre der asiatischen Horrorfilme dar; und es gibt viele Filme, die unter die Bezeichnung "Asian Extreme Movies“ fallen, ohne dabei in eine der genannten Kategorien zu passen. Sich allem ausführlich und vor allem adäquat zu widmen, würde sicher ein ganzes Buch füllen. Vielleicht hat jedoch der ein oder andere Lust bekommen, sich auf cineastisches Neuland zu wagen. Natürlich sind die oben genannten Filmbeispiele Geschmackssache, aber wer bereit ist, sich vorurteilsfrei auf ein Kinoerlebnis der etwas anderen Art einzulassen, wird dabei vielleicht seinen neuen Lieblingsfilm entdecken. Weiterführende Informationen zu Filmen, Schauspielern und mehr gibt es beispielsweise auf der Webseite asian-horror-movies.com (dort kann man auch viele der oben angeführten Filme online sehen); ausführliche Reviews vieler Filme unter mandiaapple.com. Bildquelle: © Duke Bächer / Pixelio.de Urheberrecht: Silke Labudda. Verwendung des Textes nur mit schriftlicher Genehmigung des Autors.
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