Rezension des Comics "Sonne und Mond"

Mangas aus Korea: Die Manhwa-Miniserie von Kwan Gaya

15.08.2008 Martin Höche

Sonne und Mond 1 - Cover - schreiber und leser
Sonne und Mond 1 - Cover - schreiber und leser
Asien im Mittelalter. Kopfgeldjäger und verfeindete Clans liefern sich erbitterte Schlachten um die Vormachtstellung. Ein wahrhaft expressiver und ungewöhnlicher Comic.

Manhwa ist die in Europa gebräuchliche Bezeichnung für Mangas aus Korea. In Deutschland ist das Angebot dieser zum Teil recht ungewöhnlichen Kustform nur sehr wenig verbreitet. Kein Wunder, denn die allgegenwärtige Übermacht der japanischen Mangas macht es den koreanischen Verlagen relativ schwer, Fuß zu fassen. Schade eigentlich, denn die dreibändige Miniserie „Sonne und Mond“ des Koreaners Kwan Gaya, deren dritter Band unlängst erschienen ist, mach Lust auf mehr.

Manhwas = koreanische Mangas

Die Story stellt sich dem Leser in wahrhaft epischer Breite dar – Asien im Mittelalter. Kopfgeldjäger liefern sich erbitterte Kämpfe um echte und vermeintliche Verbrecher. Die Suche nach Übeltätern erstreckt sich oft sogar auf deren Angehörige, denn dafür gibt es ein bisschen Geld zusätzlich. Baik Il Hong, Protagonist von „Sonne und Mond“, ist der Sohn eines gefürchteten Verbrechers. Er lebt auf einer kleinen Insel in den Tag hinein und ernährt sich vom Fischfang – ganz bescheiden eben. Baik Il Hong ist nahezu furchtlos und schläft gern bei passenden und unpassenden Gelegenheiten ein. Eine ziemlich unvorteilhafte Charaktereigenschaft, denn Killerhorden brechen in seine friedliche Welt und bereiten seinem bis dato doch eher entspannten Leben eine unverhoffte Wendung.

Überzeugendes Setting

Und so verfolgt „Sonne und Mond“ den Weg des Baik Il Hong über die drei Bände. Einzelheiten der Story zu erwähnen, kann man sich an dieser Stelle vielleicht ersparen, denn das würde ja nur unnötig die Spannung nehmen. Wirklich überraschend ist auch weniger die Story als vielmehr das Setting dieses Comics (oder Manhwas ... wie auch immer). Denn hier beweist Kwan Gaya, Zeichner und Texter in Personalunion, wirklich, dass er es mit den ganz Großen des Genres aufnehmen kann.

Jede Menge Martial-Arts

Hexen, Zwerge, Riesen, Samuraikämpfer, Feiglinge, Helden, Freunde und Verräter – Gaya zieht bereits in der Charakterauswahl alle Register seines Könnens. Unzählige Kämpfe lassen das Herz eines jeden Martial-Arts-Freundes höher schlagen. Vollendete, sich über Seiten hinziehende Kampfszenen machen durchaus Spaß. Und Spaß ist auch ein weiteres Stichwort: Denn gerade der kommt auch nicht zu kurz. Im dritten Band geht ein Kämpfer in den Wald, um seine Notdurft zu verrichten und wird von den Feinden aufgespürt, so dass er dieses nur allzu menschliche Bedürfnis nicht befriedigen kann. Dieser Gedanke im Hinterkopf, macht den nun folgenden Kampf zum Absurdesten, was man sich in einer ansonsten extrem heroisch angelegten Geschichte nur wünschen kann.

Expressives Kunstwerk

Bei allem Positiven sollte eine Sache klar sein: „Sonne und Mond“ ist bestimmt nicht für jeden Geschmack geeignet. Wer ein Freund geradliniger Geschichten ist und Zeit- und Handlungssprünge nicht mag, sollte die Finger von diesem Comic lassen. Denn davon bietet „Sonne und Mond“ mehr als genug. So ist dieser Manhwa auch weniger ein Comic im herkömmlichen Sinne, als vielmehr ein expressives Kunstwerk aus Fernost. Manchmal schwierig nachzuvollziehen, teilweise geschmacklos und auf jeden Fall provozierend in jeder Hinsicht. Auf jedem Fall aber ein gelungenes Experiment, mit dem Mut zu innovativen Ideen.

Sonne und Mond, Band 1 bis 3. Zeichnungen und Text: Kwan Gaya. Verlag Schreiber und Leser / shodoku 2006 bis 2008. Softcover, schwarz/weiss, 292 / 308 / 304 Seiten. Euro 14,95 pro Band.

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